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Regionalismus
Kunstbewegung

Amerikanischer Realismus, auch American Scene genannt, bezeichnet eine in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts in den USA entstandene Stilrichtung der Malerei des Realismus. Merkmale sind die möglichst wirklichkeitsnahe Wiedergabe und die oft sozialkritische Darstellung des „typisch amerikanischen“ Lebensstils und Empfindens. Der Amerikanische Realismus gilt als erster eigener nationaler Kunststil der USA; aus ihm entwickelte sich in den 1940er Jahren der Abstrakte Expressionismus, der auch als New American Scene bezeichnet wird. Stilistisch weist der Amerikanische Realismus eine Nähe zur Neuen Sachlichkeit und zur Genremalerei auf.

Der Beginn einer Amerikanisierung in der modernen Kunst des 20. Jahrhunderts wird allgemein mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs in Verbindung gebracht. Ein wichtiger Wegbereiter war der New Yorker Galerist Alfred Stieglitz, der in seiner Galerie 291 erste Ausstellungen mit europäischen Künstlern wie Marcel Duchamp und Francis Picabia veranstaltete, sich aber bald vom europäischen Modernismus abwenden sollte. In seinem eigenen fotografischen Werk widmete sich Stieglitz bevorzugt der modernen Stadtlandschaft New Yorks (Old and New New York, 1910) und dokumentierte dabei sinnbildlich den Wandel von der Alten zur Neuen Welt.

Von Kunsthistorikern allgemein als wirklich impulsgebend erachtet wird indes die umfangreiche Armory Show, die 1913 ebenfalls in New York veranstaltet, die europäische „Hegemonialstellung“ in der Bildenden Kunst so drastisch verdeutlichte, dass sie von amerikanischen Kritikern als schockierender Affront gegen die heimische Kultur empfunden wurde. Viele Künstler, die sich bislang als „minderwertig“ oder „gesichtslos“ gegenüber der traditionsreichen, dominierenden Kunstwelt Europas und ihrer Protagonisten gefühlt hatten, reagierten zunächst brüskiert und konterten nach einer kurzen Selbstfindungsphase spätestens Anfang der 1920er Jahre mit einem ungewohnt patriotisch-konservativen Regionalismus in Aussage und Bildsprache.

Die Suche nach Identität und einhergehender Authentizität fand zunächst über die Thematisierung der expandierenden Urbanisierung und Industrialisierung der Neuen Welt statt: Stilistische Anleihen beim Kubismus und Futurismus brachten zunächst den amerikanischen Präzisionismus hervor: darin fanden sich vor allem geometrische und technoide Stilelemente. Hauptvertreter des Präzisionismus waren vor allem Ralston Crawford, Charles Demuth, Georgia O’Keeffe und Charles Sheeler. Sheeler experimentierte mit der fotorealistischen Darstellung von riesigen Industrieanlagen; da er bevorzugt Fotografien als Vorlagen für seine Arbeiten nutzte, kann er als erster Fotorealist überhaupt bezeichnet werden. Georgia O’Keeffe weitete diese fotografische Betrachtungsweise auf eine nahezu mikroskopische Sicht der Dinge aus, indem sie organische Formen und Strukturen zwar realistisch abbildete, aber durch deren formatfüllende Vergrößerung zugleich wieder eine Abstrahierung bewirkte. Ihre erste Einzelausstellung in der Galerie 291 im April 1917 zeigte halbabstrakte Kohlezeichnungen, die sich nicht an europäischen Zeitgenossen orientierten. Ralston Crawford, der klare, flächige und geometrische Straßen- und Industrielandschaften abbildete, kann bereits als früher Wegbereiter der Farbfeldmalerei und der Pop Art bezeichnet werden.

Zu den frühen Vertretern der sozialkritischen Malerei zählten die Mitglieder der 1908 in New York gegründete Künstlergruppe Ashcan School (anfangs auch The Eight genannt), die sich mit Szenen aus dem Großstadtmilieu vornehmlich gesellschaftskritischer Themen annahm. Ihre Werke, die stilistisch oft an frühen Pressefotografien orientiert waren, stellten beispielsweise arme Menschen in den Slums, Betrunkene, Kriminelle, Unfälle und Verbrechen dar. Zu den Mitgliedern zählten unter anderem George Wesley Bellows, Robert Henri, George Benjamin Luks, Maurice Prendergast oder John French Sloan. Einige der Künstler schlossen sich später linkspolitischen Bewegungen oder Gewerkschaften an.

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Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Amerikanischer_Realismus#Amerikanischer_Regionalismus

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