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Wolfgang Paalen

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Wolfgang Paalen (* 22. Juli 1905 in Wien; † 24. September 1959 in Taxco, Mexiko) war ein deutsch-österreichisch-mexikanischer Maler, Bildhauer und Kunsttheoretiker. Nach seiner Mitgliedschaft in der Pariser Gruppe Abstraction-Création von 1934–1935 schloss er sich 1935 den Surrealisten um André Breton an und spielte in der Folge eine herausragende Rolle als Maler und Ideengeber. Während seines Exils in Mexiko ab 1939 gab er das Kunstmagazin Dyn heraus, mit dem er die unumschränkt subjektivistische, freudomarxistische Haltung des Surrealismus kritisierte und ihr eine umfassend begründete Philosophie der Kontingenz entgegen stellte. Während seines Aufenthalts in Paris von 1951 bis 1954 versöhnte er sich mit Breton und wirkte nochmals in dessen Kreis bis zu seiner Rückkehr nach Mexiko, wo er sich 1959 aufgrund seiner bipolaren Veranlagung das Leben nahm.


Wolfgang Paalen wurde 1905 als erster von vier Söhnen des österreichisch-jüdischen Großkaufmanns und Erfinders Gustav Robert Paalen und seiner deutschen Frau, der Schauspielerin Clothilde Emilie Gunkel, in Wien geboren. Sein Geburtshaus ist eines der berühmten Wienzeilenhäuser von Otto Wagner an der Linken Wienzeile No. 40/Köstlergasse 1. Sein Vater hatte polnische Ashkenazi und spanische Sepharden als Vorfahren, konvertierte 1900 zum Protestantismus und ließ seinen ursprünglichen Namen Pollak in Paalen ändern. Sein ansehnliches Vermögen verdankte er dem Handel und der Entwicklung moderner Erfindungen und Patente, wie u. a. dem Staubsauger, der Thermoskanne und dem ersten Durchlauferhitzer (für Junkers). In relativ kurzer Zeit stieg Gustav Paalen in das Wiener Großbürgertum der österreichisch-ungarischen Monarchie auf und betätigte sich als Mäzen und Sammler von Altmeistergemälden; er nannte u. a. Meisterwerke wie Francisco Goyas Porträt Señora Sabasa Garcia sein Eigen, das er von dem Berliner Mäzen James Simon erworben hatte. Es ist heute eines der Highlights der National Gallery of Art in Washington. Als Freund von Wilhelm von Bode und Mitglied des Freundeskreises des Kaiser-Friedrich Museums, Berlin, organisierte und finanzierte er den Ankauf des berühmten Tizian-Bildes Venus mit dem Orgelspieler (Berlin, Gemäldegalerie).


Die ersten Jahre verlebte Wolfgang Paalen in Wien und Tobelbad in der Steiermark, wo sein Vater 1910 das legendäre Kurhotel in Gegenwart des Kaisers Franz Joseph I. eröffnete, dem er ein Denkmal schenkte, das heute noch zu sehen ist. In Tobelbad empfing Paalen sen. prominente Gäste wie Gustav Mahler, den Dichter und Künstler Fritz von Herzmanovsky-Orlando, Julius Meier-Graefe und Ida Zweig (die Mutter von Stefan Zweig). Paalen war es auch, der 1910 Alma Mahler mit Walter Gropius bekannt machte. 1912 zog die Familie in das schlesische Sagan, wo der Vater ein Schloss, die St. Rochusburg, erworben und aufwendig umbauen hatte lassen. Während des Ersten Weltkrieges betätigte sich Paalen sen. in der Lebensmittelversorgung für beide Reiche, das deutsche und österreichische, und arbeitete eng mit Walter Rathenaus Zentral-Einkaufsgesellschaft zusammen.


Wolfgang Paalen besuchte die Grundschule und das humanistische Gymnasium (Lateinschule) in dem von Wallenstein erbauten Renaissanceteil der Stadt Sagan, bevor die Familie während des Krieges einen Privatlehrer engagierte, der sich auch als Organist in der Saganer Kirche und Komponist betätigte. Er brachte Paalen neben Latein, Philosophie und Kosmologie u. a. die Musik Johann Sebastian Bachs nahe. In autobiografischen Berichten verknüpft er seine Kindheit im Saganer Schloss der Eltern mit einem halluzinativen Erweckungserlebnis, das ihm 1938, auf dem Höhepunkt seiner surrealistischen Zeit, als Begründung seiner Idee untrennbarer Verschränkung von Wahrnehmung und gegenständlicher Welt diente: „Ich denke an den Feenzauber, der eines nachts in meiner Kindheit stattfand. Zwischen einem einzigen herbstlichen Sonnenuntergang und Aufgang hatte ein erstaunlicher Aufmarsch unzähliger Prozessionen von Nonnenfaltern den gesamten Wald verheert. Alle Bäume zwischen dem Sunga-Haus und der Anhöhe, wo sich das Nachbarschloß erhob – erschienen dann plötzlich und zum ersten Mal über dem Skelett des Waldes in der morgendlichen Betäubung. Wir rieben uns die Augen; es war wirklich und wahrhaft dort wie eines dieser Schlösser, die sich in der Laune eines bösen Prinzen hervorzaubern, der sein Tuch berührt. Die ganze silvanische Natur hielt trügerisch entwaffnet ihren Atem an, lautlos und wie in opakes Glass verwandelt; unter unseren Schritten knirschten nur die vereisten Tannennadeln. Die erste Bö ließ uns zittern, an den Lippen des Nordwindes klang der ganze Wald wie ein Kristallglas.“ Wenn der Mensch kraft seiner Imagination Dinge zur Erscheinung bringen kann, müssen sie kontingent, d. h. latent in der Wirklichkeit vorhanden sein – das ist eine der grundlegenden Erkenntnisse des jungen Paalen, die er durch den Surrealismus umfassend vertiefen, aber auch gegen ihn selbst verteidigen sollte: Die Wahrnehmung projiziert nicht nur rein subjektive Inhalte, sondern verknüpft den Sehenden mit einer Art transdimensionalem Kontinuum aus Möglichkeiten. Während der Kriegsjahre beschäftigte sich Paalen auch intensiv mit den dichterischen Werken der deutschen Romantik, der Philosophie Arthur Schopenhauers und den indischen Veden, in denen ähnlich gegen-subjektivistische Sichtweisen aufscheinen.

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