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Sozialer Realismus
Kunstbewegung

Der Begriff Neue Sachlichkeit bezeichnet eine Richtung der Literatur der Weimarer Republik. Er bezieht sich auf Werke, in denen die zwischen den Weltkriegen hervortretende Tendenz zu illusionslos-nüchterner Darstellung von Gesellschaft, Erotik, Technik und Weltwirtschaftskrise (siehe auch: Great Depression) als Reaktion auf den literarischen Expressionismus erkennbar ist. Die Vertreter der Neuen Sachlichkeit in der Literatur sind dem späten Naturalismus verbunden, doch von ihm unterschieden durch ein ernüchtertes politisch-soziales Bewusstsein und durch Aufgeben des pseudo-naturwissenschaftlichen Objektivitätsanspruchs.

Wer als erster den Begriff Neue Sachlichkeit benutzt hat, ist unklar. Als Namensgeber genannt werden Otto Dix (1922) und Gustav Friedrich Hartlaub (1923). Beide beziehen den Begriff auf eine Kunstrichtung mit Merkmalen, die denen der Neuen Sachlichkeit in der Literatur vergleichbar waren. Die Kunstausstellung Neue Sachlichkeit in Mannheim 1925 könnte als Beginn der Dominanz der Neuen Sachlichkeit als Epochenstil gesehen werden. 1926 wurde die Bezeichnung von der niederländischen Kunstzeitschrift De Stijl auf die Literatur übertragen.

Aufstieg und Niedergang des Stils der Neuen Sachlichkeit sind in Deutschland eng mit der Geschichte der Weimarer Republik (1919–1933) verbunden. Der Niedergang der Neuen Sachlichkeit begann mit der Weltwirtschaftskrise 1929. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 begann eine neue Blütezeit pathetisch-ideologischer Literatur. Der demokratiefreundliche Gehalt der Schriften der Autoren der Neuen Sachlichkeit führte zur Verbrennung ihrer Bücher, teils auch zur Verhaftung der Autoren, denen es nicht gelungen war, rechtzeitig ins Exil zu flüchten.

Ein Ziel der damaligen Schriftsteller war die objektive und genaue Wiedergabe der Realität. Man wollte den Menschen Leitbilder geben, um in der neuen Massen- und Mediengesellschaft bestehen zu können. Man reagierte auf das Pathos des Expressionismus und schrieb desillusionierte Texte. Die Neue Sachlichkeit wollte in ihren Schriften die Alltagssorgen der Menschen widerspiegeln. Breite Teile der Bevölkerung sollten durch diese neue Literatur am kulturellen Leben teilhaben. Man beschrieb die Realität so exakt und ohne Übertreibungen, um die Menschen durch diese Missstände wachzurütteln und so die Gesellschaft zu verändern. Die Bevölkerung sollte durch die „Massenkultur“ für die Demokratie begeistert werden.

Die Beobachtung und Abbildung der äußeren Wirklichkeit, wie die Konstruktion des Lebens auf der Basis von Fakten, bestimmt die „neusachliche“ Literatur der 1920er- und 1930er-Jahre und schlägt über die Verwendung der Montage die Brücke zum Film. Tendenz ist die Rückkehr zum verlässlichen Äußeren – die expressionistische Vorstellung vom visionären Dichter als „geistigem Führer“ scheint in einer durch den Krieg desillusionierten und dabei immer deutlicher vom Geist des technischen Fortschritts dominierten Welt nicht mehr adäquat. „Es handelt sich nicht mehr darum zu ‚dichten’. Das Wichtigste ist das Beobachtete.“ schrieb Joseph Roth 1927 im Vorwort seines Romans Die Flucht ohne Ende. Bereits hier entbrennt eine Diskussion über die Angemessenheit und Beschaffenheit dieser Sachlichkeit, die zwischen Vorwürfen der affirmativen Haltung und Bekräftigung ihres kritischen Potentials schwankt. Während die einen die Wirkung der unmittelbar beobachteten „Krassheit“ der Realität betonen, kritisieren andere, dass ohne die verbindende und einordnende Instanz des Denkens überhaupt keine Erkenntnis über die Wirklichkeit zu erlangen sei.

Die Autoren waren meist demokratisch orientiert oder wollten eine sozialistische Räterepublik. Oft hatten sie auch eine links-liberale Haltung.

Inhalte und Themen: Die Dichter orientierten sich an der Realität. Sie gingen in ihren Texten auf die damalige Gesellschaft und auf deren Probleme ein, z. B. die Armut vieler Menschen. Die Voraussetzung dafür war ein kritischer Blick auf die damalige Gegenwart. Die Umgebung wurde nüchtern und realistisch dargestellt. Die Autoren waren mit der damaligen Zeit eng verbunden und beschreiben sie in ihren Texten. Die soziale, politische und wirtschaftliche Wirklichkeit der Weimarer Republik (z. B. Hans Fallada: Kleiner Mann – was nun?), die Nachwirkungen des Ersten Weltkrieges und die Inflation waren beliebte Motive. Die Themen, die die Gesellschaft bewegten, fanden sich in der Literatur wieder. Die Figuren müssen mit den enormen gesellschaftlichen und technischen Veränderungen und Fortschritten leben. Diese schaffen oft soziale, wirtschaftliche und persönliche Probleme, mit denen die Akteure zurechtkommen müssen oder untergehen. Die Schriftsteller übten sich auch immer wieder in Gesellschaftskritik. Ebenfalls wurden historische Ereignisse aufgegriffen und auf andere moderne Personen übertragen (z. B. Joseph Roth: Hiob. Roman eines einfachen Mannes, Bezug zu Hiob aus dem Alten Testament); aber auch aktuelle Ereignisse wurden verarbeitet.

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Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Sachlichkeit_(Literatur)

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